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Die Sache mit dem Schuster und den eigenen Leisten…

Als Apotheker, Arzt, Therapeut, Zahnarzt oder Angehöriger aller weiteren Heilwesenberufen setzen Sie und Ihr Team täglich Ihre gesamte Kraft und Ihr Engagement für die Gesunderhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit Ihrer Patienten ein. Sie nutzen Ihr Wissen und Können, erteilen zielführende Ratschläge und motivieren zu einem gesundheitsorientierten Lebensstil. Vielleicht halten Sie auch Fachvorträge? Gehen in Betriebe, um vor Ort praktische Hilfestellung zu geben? Engagieren sich in entsprechenden Netzwerken und Vereinigungen? Alles sehr gut!

Wirklich? Ist wirklich alles sehr gut?

Die Praxis zeigt, dass es leider sehr häufig einen „blind Spot“ gibt, über den kaum gesprochen wird – und Der doch so weitreichende Konsequenzen haben kann. Die Rede ist hier von Ihrer eigenen gesundheitlichen Vorsorge sowie Ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Gesundheitsvorsorge der Ihnen anvertrauten Mitarbeiter/-innen!

Was sind die Hintergründe?

Grundlage bildet das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Dieses unterscheidet weder nach Branche noch nach Größe des Unternehmens. Es ist damit auch für jede Praxis und jede Apotheke verbindlich, die einen Mitarbeiter beschäftigt.

Bereits zum 01.01.2014 wurde das ArbSchG in der Weise novelliert, dass neben dem physischen Arbeitsschutz die psychische Gesundheitsprävention ergänzt wurde. So sagt z.B. § 5 Abs. 3 Nr. 6 deutlich aus, dass Sie „die psychischen Belastungen bei der Arbeit als Gefährdungsfaktoren berücksichtigen müssen“.

Tun Sie das nicht, verstoßen Sie nicht nur gegen das Ordnungsrecht und müssen mit Geldstrafe bis zu 5.000,- € oder im Einzelfall auch mit Freiheitsstrafe rechnen (§§25, 26 ArbSchG). Ein noch deutlich größeres Haftungsrisiko besteht darin, dass Sie Regressforderungen der Sozialversicherungsträger befürchten müssen. (BGH, Urteil vom 27.06.2006, AZ: VI ZR 143/05, Abruf-Nr. 062569). Nun sind Sie Profi genug, um die Kosten z.B. für eine Burn-out-Behandlung im oberen 5-stelligen Bereich richtig anzusiedeln. Diese können unter Berücksichtigung des vorgenannten Urteils bei grobem Verstoß gegen Ihre Arbeitsschutzpflichten von Ihnen durch den SV-Träger zurückgefordert werden.

Also „nur noch eine Pflicht mehr“?

Auf den ersten Blick könnte es so wirken. ABER: Warum nicht den Spieß umkehren, Vorteile generieren und die eigene Situation verbessern? Wenn Sie eh schon verpflichtet sind, auch für die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter einzustehen – warum dann nicht auch gleich die eigene Prävention damit verbinden? Und wenn der Gesetzgeber von Ihnen verlangt, sich um das psychische Wohl des Teams zu kümmern – warum dann nicht gleich „richtig“ machen und die eigene Praxis/die Apotheke positiv bewerben und damit die besten Fachkräfte für sich sichern? Nicht zuletzt ist es natürlich auch eine Sache der eigenen Glaubwürdigkeit, sich für die eigene sowie die Gesundheit der Mitarbeiter zu engagieren – insbesondere als Angehöriger der Heilwesenberufe. Denn Sie wissen doch: die Sache mit dem Schuster…

Cui bono?

In letzter Konsequenz allen Beteiligten! Packen Sie dieses Thema vom „großen Ganzen“ her an. Sie steigern damit die eigene Glaubwürdigkeit, bekommen gesünderes und motivierteres Personal und reduzieren massiv ein latentes Haftungsrisiko. SO wird ein Schuh draus!

P.S. Dass Sie damit auf Sicht auch wirtschaftlich deutlich besser fahren werden, ergibt sich beinahe zwangsläufig aus den vielen Vorteilen!

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